Gedichte & andere Texte

Geburtstagstext für Charlotte

Charlotte

Meine Freundin Charlotte - das kabarettistische Urgestein - hatte vor einigen Tagen Geburtstag. Zweiundneunzig, zehn Jahre älter als Dieter Hildebrandt!

Wenn wir beide zusammensitzen, rauchen, reden über die skrupellose Geldgier der Banken, dann sagt Charlotte gelassen: "Ach weeßte, Mädchen, det hab ick schon paarmal durch. Die Jeschichte wiederholt sich, ick wunder mich darüber nich mehr." (An Charlottes Berliner Schnauze beißen sich die Unterfranken seit etwa 50 Jahren die Zähne aus ...)

Wenn wir beide sitzen, rauchen, reden über die Wirtschaftskrise, ich mir meine schwärzliche Zukunft ausmale, dann guckt Charlotte verständnisvoll über ihren Brillenrand: "Mädchen, kuck mich an. Zweemal ausjebombt, eenmal bei der Republikflucht allet stehn- und liejenjelassen. Es jeht immer irjendwie weiter."
Wenn wir beide...(Ihr wisst schon) und ich beklage mich über den Winter, der dieses Jahr und überhaupt und es dauert noch sooo lange bis Frühling und - dann sagt sie: "Stimmt. Det is dieses Jahr aber ooch. Bin ick froh, wenn erst die Narzissen stinken!

Und wenn ich dann aufstehe, die leere Zigarettenschachtel wegschmeiße und Charlottes Tür hinter mir zuziehe, gehe ich immer mit dem gleichen Gefühl:
Es hat sich alles relativiert. Ich weiß jetzt wieder, was im Leben wichtig ist ...

Weihnachtsgedicht 2007

FuturXmas

Ein Bild, das mich nicht mehr verlässt:
Klimawandelweihnachtsfest.

Ich seh bei Kerzenschein uns schwitzen
und in den Stuben singend sitzen:
Oh Affenbrot, oh Affenbrot,
du bist der Nordmanntannendot [fränkisch].
Wer Weihnacht' soff, kann gleich silvestern.
Glühwein? Ist dann Schnee von gestern...

Das Christkind bauch- und schulterfrei,
am Arsch das letzte Ren-Geweih.
Denn durch Europas Wüsten quälen
sich Ruprechtsknechte auf Kamelen
mit Kopftuch gegen Windes Tosen,
in Schlappen und in Badehosen.

Drum:
Kommt der Alte angekarrt,
zupft ihn noch mal schnell am Bart,
latscht ihm auf den Mantelsaum,
denn bald ist er ein Kindheitstraum ...

Weihnachtsgedicht 2006

Weihnachtswurschteln

Lichter funkeln, Kerzen kleckern –
Weihnacht – und was tun wir?
Meckern!

Hört ihr nicht Frau Merkel künden,
dass wir im Aufwärtsgehen stünden?
Sie ruft: "Mein Volk, nun kommt die Wende,
und du kriegst auch ein großes Ende …"
Frohe Hoffnung, Tatendurst –
und ich? Ich denk’ an eine Wurst.
Wie dick und lang sie auch mag sein,
die Zipfel – die sind immer klein …
Lichter funkeln, Kerzen kleckern:
Weitermeckern!

Weihnachtsgedicht 2005

In dulci jubilo

Halleluja, heile Segen,
Glühweinwracks auf allen Wegen,
das Christkind steckt den Christbaum an,
damit es sich dran wärmen kann.
Knecht Ruprecht überfällt 'ne Bank.
Die Engel? – Vogelgrippekrank …
Der Hartz-Weihnachtsmann rastet aus,
schmeißt Wichtelchen zum Fenster raus.
Die Hirten köpfen kurzerhand
drei Kön'ge aus dem Morgenland.
Lamm und Ochs' grasen – glücklich – in heiliger Nacht.
Denn sie werd'n ja erst Ostern und Pfingsten geschlacht'.
Seht Ihr! – Was nicht ist, kann noch zur Himmelfahrt werden …
Fröhliche Weihnacht und FRIEDE AUF ERDEN!

Weihnachtsgedicht 2004

Weihnachtsmenü

Der Weihnachtsmann kommt dies’ Jahr nicht,
weil er nie hält, was er verspricht,
hat mir ‘n Sozialpaket versprochen
und für den Hund ’nen fetten Knochen –
ha –
ein Hungersparpaket bracht’ er,
am Knochen, da war auch nichts mehr,
Agendaschnaps zum Fröhlichsaufen,
wollt er mir als Geschenk verkaufen …
Der Hund hat hungrig zugelangt
und hartzlich sich bei ihm bedankt.
Tipp:
Gerhard, klopf bei uns nicht an,
sonst geht’s dir wie dem Weihnachtsmann!

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