Gedichte & andere Texte

Gedicht

Eugen Roth zu der Affäre, wenn er noch am Leben wäre

Ein Mensch, das edle Haupt gegelt,
stellt fest, dass diesem Haupt was fehlt,
das imaginär den Kopf bedeckt
als Zeichen für den Intellekt.
Darum fasst er den Entschluss,
dass er hier was ändern muss.

Ergo, denkt er als Lateiner,
mit von und zu, da kann ihm keiner.
Dreist klaut er fremdes Wissensgut
für den eignen Doktorhut.
Und bei der Universität
galt Herkunft schon als Qualität,
hat doch der Mensch in Ton und Bild
Ehr’ und Treu’ im Wappenschild.
Mit Professoren, so beim Golfen
wird noch etwas nachgeholfen.
Siehe da und ei der Daus,
schon wird ein cum laude draus.
Arrogant und frohen Mutes
freut sich der Mensch des Doktorhutes,
dieser betont mit Vehemenz
letztlich auch Intelligenz.
Die Seine wog nicht allzu schwer,
doch das merkt man erst hinterher.

Denn man kam im letzten Winter
erst per Internet dahinter,
dass der noble Kandidat
alle Welt beschissen hat.
Doch diese Welt urteilt nicht scharf
über das, was man nicht darf,
denn man darf gegebnen Falles
in der hohen Politik fast alles.
Nur soll man nicht, wie Knastinsassen,
sich dabei erwischen lassen.
Denn letzteres kränkt die Gemüter
der gelehrten Geisteshüter.
Die Andern, weiblich, jung und alt
vermissen nur die Lichtgestalt.
Weil man, durch Bild und Ton geschult,
noch immer um den Adel buhlt.

ck

Weihnachtsgedicht 2011

Zum Nulltarif

Weihnachten.
Schenken.
Mein Sparschwein zieht Falten …
Nein - diesmal schenk ich was her,
was nicht lohnt, zu behalten:
Meine Angst, die mich so viel Lebenszeit kost’ –
rein ins Paket und ab in die Post!

Angst vor Verlust, vor miesen Tagen,
es nicht zu schaffen, zu versagen,
vor finanziellem Katzenjammer
und vor der geist’gen Besenkammer.
Angst vor der ganzen Ängstekette –
was ich nie hatte, dann nicht hätte.

Habt Ihr auch Angst?
Packt sie ein, schenkt sie weg!
Ohne Absender halt.
Sonst verfehlt es den Zweck.

Weihnachten.
Schenken.
Mein Sparschwein voll quiekt.
Angst verschenken kost’ nix!
Mal sehn, wer sie kriegt …

Für den, der ging, für den, der kommt

Weihnachtsgedicht 2010

Der letzte Wurf

Berlinbeschlüsse – schlimm und schlimmer.
Ich glaube fast, die würfeln immer.
Hartz IV-Erhöhung – würfeln – ja!
Fünf Euro. Wurf von Ursula.
Fürs’s Volk ‘ne Steuersenkung? - Nein.
Sehr gut, sagt Schäuble – soll so sein.
Kopfpauschal – nochmal – zu wenig!
Ruft Rösler. Er ist Würfelkönig!
Leckt es in Gorleben? Ja.
Röttgen darf dreimal. Nein. Aha!
Und droht Angela zu verlieren,
dann krabbelt sie auf allen vieren
unter’n Tisch der Zock-Vasallen
und seufzt: Die Würfel sind gefallen ...
Wird auch 2011 beschissen?
Würfelt.
Und Ihr werdet’s wissen!

Für Janosch

Gedanken

Klavier und Ukulele

Neulich war ich bei Charlotte (meine 93-jährige Freundin und kabarettistisches Berliner Urgestein), um sie mit meiner neuen Ukulele bekannt zu machen.

„Weeßte, dass ick mal Klavier jespielt habe?“ sagt sie zu mir. „Ja, das Lied vom Landmann auf unserm Klavier ohne Deckel.
Das Klavier war sozusagen een für alle offenes Instrument.
Und auf dem Klavier stand der Fluch meiner Schwiegermutter – eene riesige, giftgrüne Vase.
Nachdem wir ausjebombt waren, hatte zwar det Klavier keenen Deckel mehr, aber die Vase stand immer noch druff.
Ick hab sie vor die Haustür jestellt, damit irgendeen jeschmacksverirrter Dieb sie klaut. Nischt. Die stand wie festjedübelt.
1953, als wir bei Nacht und Nebel weg mussten aus Berlin, hab ick sie einfach jelassen, wo sie war. Auf dem Klavier. Und wenn sie nicht jestorben ist ...
So un nu spiel ick mal auf der Ukulele den Landmann.“

„Mensch, Charlotte“, sag ich, „und wenn nun jemand an der Tür klingelt und bringt dir das Ding zurück?“
„Ick nähme sie nur mit dem Klavier ohne Deckel. Und würde mit meinen 93iger Fingern solange den Landmann spielen, bis sie sich von alleene zerkloppt!“

Ich drücke die letzte Zigarette aus, nehme den kleinen Ukulelenkasten mit der noch kleineren Ukulele darin, ziehe Charlottes Tür hinter mir zu und denke:
Gottseidank, auf meiner Uku ist nicht mal Platz für schlechte Laune – geschweige denn für einen Schwiegermutterfluch.
Was für ein wunderbares Instrument!

Weihnachtsgedicht 2009

Konjunkturmaßnahme

Die Wirtschaftsweisen plagt die Frage:
Wem nützen Weihnachtsfeiertage?

Die Leut' hab'n Zeit, sich zu beschenken
und über manches nachzudenken ...
Zwei Tage gammeln sie am Stück
und fressen sich nur rund und dick.

Wenn die Regierung das erst rafft,
wird "Frohes Fest" schnell abgeschafft,begründet mit dem Zaubersätzle: Konjunktur schafft Arbeitsplätzle!

Denn Angi, unser "Lüderle"
hat jetzt auch schlaue Brüderle ...

Buchen

Sie möchten mich für eine Veranstaltung buchen oder haben Fragen? Bitte wenden Sie sich an webmaster@carmen-ruth.de.

Besuchen Sie auch: Die Ukulele Werkstatt für unbegabte Erwachsene - Unterricht und Workshops