Gedichte & andere Texte

Weihnachtsgedicht 2010

Der letzte Wurf

Berlinbeschlüsse – schlimm und schlimmer.
Ich glaube fast, die würfeln immer.
Hartz IV-Erhöhung – würfeln – ja!
Fünf Euro. Wurf von Ursula.
Fürs’s Volk ‘ne Steuersenkung? - Nein.
Sehr gut, sagt Schäuble – soll so sein.
Kopfpauschal – nochmal – zu wenig!
Ruft Rösler. Er ist Würfelkönig!
Leckt es in Gorleben? Ja.
Röttgen darf dreimal. Nein. Aha!
Und droht Angela zu verlieren,
dann krabbelt sie auf allen vieren
unter’n Tisch der Zock-Vasallen
und seufzt: Die Würfel sind gefallen ...
Wird auch 2011 beschissen?
Würfelt.
Und Ihr werdet’s wissen!

Für Janosch

Gedanken

Klavier und Ukulele

Neulich war ich bei Charlotte (meine 93-jährige Freundin und kabarettistisches Berliner Urgestein), um sie mit meiner neuen Ukulele bekannt zu machen.

„Weeßte, dass ick mal Klavier jespielt habe?“ sagt sie zu mir. „Ja, das Lied vom Landmann auf unserm Klavier ohne Deckel.
Das Klavier war sozusagen een für alle offenes Instrument.
Und auf dem Klavier stand der Fluch meiner Schwiegermutter – eene riesige, giftgrüne Vase.
Nachdem wir ausjebombt waren, hatte zwar det Klavier keenen Deckel mehr, aber die Vase stand immer noch druff.
Ick hab sie vor die Haustür jestellt, damit irgendeen jeschmacksverirrter Dieb sie klaut. Nischt. Die stand wie festjedübelt.
1953, als wir bei Nacht und Nebel weg mussten aus Berlin, hab ick sie einfach jelassen, wo sie war. Auf dem Klavier. Und wenn sie nicht jestorben ist ...
So un nu spiel ick mal auf der Ukulele den Landmann.“

„Mensch, Charlotte“, sag ich, „und wenn nun jemand an der Tür klingelt und bringt dir das Ding zurück?“
„Ick nähme sie nur mit dem Klavier ohne Deckel. Und würde mit meinen 93iger Fingern solange den Landmann spielen, bis sie sich von alleene zerkloppt!“

Ich drücke die letzte Zigarette aus, nehme den kleinen Ukulelenkasten mit der noch kleineren Ukulele darin, ziehe Charlottes Tür hinter mir zu und denke:
Gottseidank, auf meiner Uku ist nicht mal Platz für schlechte Laune – geschweige denn für einen Schwiegermutterfluch.
Was für ein wunderbares Instrument!

Weihnachtsgedicht 2009

Konjunkturmaßnahme

Die Wirtschaftsweisen plagt die Frage:
Wem nützen Weihnachtsfeiertage?

Die Leut' hab'n Zeit, sich zu beschenken
und über manches nachzudenken ...
Zwei Tage gammeln sie am Stück
und fressen sich nur rund und dick.

Wenn die Regierung das erst rafft,
wird "Frohes Fest" schnell abgeschafft,begründet mit dem Zaubersätzle: Konjunktur schafft Arbeitsplätzle!

Denn Angi, unser "Lüderle"
hat jetzt auch schlaue Brüderle ...

Weihnachtsgedicht 2008

Im Garten hängt ein Weihnachtsmann

Weihnachtsgedicht 2008

Im Buchenwald wachsen keine Nordmanntannen.
Ein betrunkener Weihnachtsmann gehört nicht unter die Tanne, sondern auf den Dachboden.
Die Gans im Keller sollte man vor dem Rupfen schlachten, sonst erfriert sie.
Und wenn Brunhilde anrückt, kettet man sich besser am Weihnachtsbaum fest.
Sicher ist sicher.

»Weihnachten oder Möglichkeiten der Folter im 21. Jahrhundert« - eine Geschichte von Philipp Schaller für Menschen, die auch in dieser Zeit gern mal gelacht hätten. Gelesen und durch böse Lieder schamlos untermauert von Carmen Ruth.

Alles Schräge zum Fest!

Geburtstagstext für Charlotte

Charlotte

Meine Freundin Charlotte - das kabarettistische Urgestein - hatte vor einigen Tagen Geburtstag. Zweiundneunzig, zehn Jahre älter als Dieter Hildebrandt!

Wenn wir beide zusammensitzen, rauchen, reden über die skrupellose Geldgier der Banken, dann sagt Charlotte gelassen: "Ach weeßte, Mädchen, det hab ick schon paarmal durch. Die Jeschichte wiederholt sich, ick wunder mich darüber nich mehr." (An Charlottes Berliner Schnauze beißen sich die Unterfranken seit etwa 50 Jahren die Zähne aus ...)

Wenn wir beide sitzen, rauchen, reden über die Wirtschaftskrise, ich mir meine schwärzliche Zukunft ausmale, dann guckt Charlotte verständnisvoll über ihren Brillenrand: "Mädchen, kuck mich an. Zweemal ausjebombt, eenmal bei der Republikflucht allet stehn- und liejenjelassen. Es jeht immer irjendwie weiter."
Wenn wir beide...(Ihr wisst schon) und ich beklage mich über den Winter, der dieses Jahr und überhaupt und es dauert noch sooo lange bis Frühling und - dann sagt sie: "Stimmt. Det is dieses Jahr aber ooch. Bin ick froh, wenn erst die Narzissen stinken!

Und wenn ich dann aufstehe, die leere Zigarettenschachtel wegschmeiße und Charlottes Tür hinter mir zuziehe, gehe ich immer mit dem gleichen Gefühl:
Es hat sich alles relativiert. Ich weiß jetzt wieder, was im Leben wichtig ist ...

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Besuchen Sie auch: Die Ukulele Werkstatt für unbegabte Erwachsene - Unterricht und Workshops