Gedichte & andere Texte

Gedicht

Wahlbescheinigung

Überall Wahlplakate.
Da, wo ich wohne.
Da, wo ich durchfahre.
Überall.Diesmal ist an diesen Wahlplakaten das überhaupt Bemerkenswerte, dass sie so witzarm sind.

Keine Nachbesserung durch eine Eddingbrille, ein markantes Bärtchen (schwarze Damenbärtchen waren vor der letzten Wahl der neueste Schrei!), vielleicht Eselsöhrchen, Teufelshörnchen oder eine ordentliche Punkfrisur für die Glatze (der Kandidat wäre glücklich!).
Nitschewo.
Nix.
Deutsche Phantasie im Dauerkoma.
Ist Wahlplakaten durch phantasievolles Verzieren einen Sinn zu geben eigentlich verboten?
Bestimmt.
Aber Klauen ist auch verboten.
Und trotzdem gibt es jede Menge Diebe.

Die Franzosen zum Beispiel, die haben Phantasie.
Die haben so viel davon, dass sie streiken, protestieren und Autos anzünden.
In der Hoffnung, dass sich etwas ändert.
Manchmal funktioniert das sogar.

Phantasie und Hoffnung.
Sind wie… Kappe und Ferse beim Socken.
Wenn meine Phantasie etwas Neues zusammenstrickt, dann hoffe ich immer, dass es auch funktioniert.

Ein Volk ohne Socken geht zur Wahl.
Na, was meint Ihr?
Angela Merkel.
Verliert in Dachau ein paar Worte und einen Kranz und schafft es danach noch gut gelaunt ins Bierzelt.
Wahnsinn.
Und wir gönnen ihr dafür nicht mal ein markantes schwarzes Eddingdamenbärtchen.
Dauerkoma.
Wir haben sie uns verdient.

Manchmal spielt mir meine Phantasie einen Streich.
Dann sehe ich Angela Merkel auf einem ihr so beliebigen deutschen Marktplatz, bereit, über der Menge zu baden.
Und niemand ist da.
Nicht mal ein blöder Gaffer.
NIEMAND.

Weihnachtsgedicht 2012

Sprgednkn

Von Einschnitten Frau Merkel spricht,
vom Sparen als des Bürgers Pflicht.

Was sie wohl meint?
Geld? Hm …
Nicht meins.
Und auch nicht deins.
Wir ham ja keins.

Ich glaub, sie meint den Speck – genau –
der zwischenmenschsozialen Sau.
Zum Beispiel das An andre denken
und denen dann auch noch was schenken.
Zeit verschwenden für die Alten?
Fördert nicht das Sparverhalten.
Verständnis, Sorgfalt für die Kinder?
Schelle! – Das ist spargesünder …

Des Sparers bestes Körperteil:
Ellbogen, Marke „Geiz ist geil“.
Den ausgefahren, spart er schlau
nicht nur den Speck – die ganze Sau!
Ellbogen raus! Nur Treffer zählt!
Und Merkel wird noch mal gewählt.

Ich spar – Buchst u Kommentr.
Fro Wei, gu Ru u schö neu Jr!

Für meine Freundin Charlotte

Für Charlotte

Charlotte

Meine Freundin Charlotte hat im Januar ihren 95. Geburtstag gefeiert. Damit hat sie Miss Sophie längst überrundet. Ich bin jedes Mal fasziniert, wenn ich sie besuche – eine Frau, die Otto Reutter in Berlin-Tiergarten noch live erlebt hat!

Vor ein paar Tagen hat sie gejammert – „weeste“, hat sie gejammert in ihrem Berliner Dialekt, den ihr die Unterfranken auch nach über 50 Jahren nicht austreiben konnten – „weeste, wat det schlimmste ist heutzutache? Dass ick mir nich mehr uffregen kann! Früher hab ick mir uffjeregt und denn habe ick jeschrieben. Jetzt schreib ick nüscht, weil ick mir einfach nich mehr uffrege. Über allet, wat mir heutzutache uffregen könnte, hab ick schon jeschrieben, weil ick mir früher schon drüber uffjeregt habe. Ick brauch bloß die Namen ändern, aber det is doch nich schreiben! Wat für een Dilemma!“

„Ach Mönsch“, hat sie gesagt, „ick gloobe, ick werd langsam alt …

Charlotte Kurth (Mai 2011)

Gedicht

Eugen Roth zu der Affäre, wenn er noch am Leben wäre

Ein Mensch, das edle Haupt gegelt,
stellt fest, dass diesem Haupt was fehlt,
das imaginär den Kopf bedeckt
als Zeichen für den Intellekt.
Darum fasst er den Entschluss,
dass er hier was ändern muss.

Ergo, denkt er als Lateiner,
mit von und zu, da kann ihm keiner.
Dreist klaut er fremdes Wissensgut
für den eignen Doktorhut.
Und bei der Universität
galt Herkunft schon als Qualität,
hat doch der Mensch in Ton und Bild
Ehr’ und Treu’ im Wappenschild.
Mit Professoren, so beim Golfen
wird noch etwas nachgeholfen.
Siehe da und ei der Daus,
schon wird ein cum laude draus.
Arrogant und frohen Mutes
freut sich der Mensch des Doktorhutes,
dieser betont mit Vehemenz
letztlich auch Intelligenz.
Die Seine wog nicht allzu schwer,
doch das merkt man erst hinterher.

Denn man kam im letzten Winter
erst per Internet dahinter,
dass der noble Kandidat
alle Welt beschissen hat.
Doch diese Welt urteilt nicht scharf
über das, was man nicht darf,
denn man darf gegebnen Falles
in der hohen Politik fast alles.
Nur soll man nicht, wie Knastinsassen,
sich dabei erwischen lassen.
Denn letzteres kränkt die Gemüter
der gelehrten Geisteshüter.
Die Andern, weiblich, jung und alt
vermissen nur die Lichtgestalt.
Weil man, durch Bild und Ton geschult,
noch immer um den Adel buhlt.

ck

Weihnachtsgedicht 2011

Zum Nulltarif

Weihnachten.
Schenken.
Mein Sparschwein zieht Falten …
Nein - diesmal schenk ich was her,
was nicht lohnt, zu behalten:
Meine Angst, die mich so viel Lebenszeit kost’ –
rein ins Paket und ab in die Post!

Angst vor Verlust, vor miesen Tagen,
es nicht zu schaffen, zu versagen,
vor finanziellem Katzenjammer
und vor der geist’gen Besenkammer.
Angst vor der ganzen Ängstekette –
was ich nie hatte, dann nicht hätte.

Habt Ihr auch Angst?
Packt sie ein, schenkt sie weg!
Ohne Absender halt.
Sonst verfehlt es den Zweck.

Weihnachten.
Schenken.
Mein Sparschwein voll quiekt.
Angst verschenken kost’ nix!
Mal sehn, wer sie kriegt …

Für den, der ging, für den, der kommt

Buchen

Sie möchten mich für eine Veranstaltung buchen oder haben Fragen? Bitte wenden Sie sich an webmaster@carmen-ruth.de oder füllen Sie das Kontaktformular aus.

Besuchen Sie auch: Die Ukulele Werkstatt für unbegabte Erwachsene - Unterricht und Workshops